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Einmal im Rampenlicht stehen

BeitragVerfasst: 14:02
von KurierderKönigin
Guten Tag zusammen,

letzte Woche war ich in der Eifel unterwegs und schaute auch mal kurz im Kloster Steinfeld vorbei. Netterweise hat mir die Verwaltung des Klosters das Fotografieren gestattet. Herausgekommen ist unter anderem dieses Foto. Entstanden aus fünf Fotos mit je einer Blende unterschied. Ein ausgewogenes Bild herauszubekommen, war dennoch nicht einfach. Das HDR habe ich in PS-CC erstellt und dann in Lightroom Creative Cloud entwickelt.

Die Belichtungsdaten des mittleren Fotos sind:

Blende 2,8, Zeit 1/125 Sek., Iso 200 . Für die Büste habe ich noch ein extra Foto mit minus drei Blenden gemacht, da dies bei zwei Blenden minus immer noch überbelichtet war.

Gerne höre ich von Euch.

NIK_4143_HDR_kleiner.jpg
Exif-Daten
Brennweite: 70 mm (70 mm KB-äquivalente Brennweite)
Belichtungszeit: 1/4000 Sek
Blende: F/2.8
ISO-Empfindlichkeit: 200
Weißabgleich: Automatisch
Blitz: Blitz wurde nicht ausgelöst, Blitz unterdrücken-Modus
Kamera-Modell: NIKON D750
Belichtungsprogramm: Blendenpriorität
Belichtungskorrektur: -12/6 LW
Belichtungs- Messmethode: Spot





Einmal im Rampenlicht stehen

BeitragVerfasst: 17:01
von rider
Das Bild gefällt mir ausgesprochen gut. Einigermaßen schwer ist es jedoch, zu sagen, was diesen positiven Eindruck ausmacht. Das Bild strahlt sehr viel Ruhe aus. Bedingt ist das erstens durch die reduzierte und vorwiegend kühle Farbgebung, zweitens durch den klaren, sehr geometrischen Bildaufbau, welcher der Büste einen unaufdringlichen Rahmen gibt. Diese stellt - wenn ich mich nicht irre - Papst Johannes Paul II. dar. Sie ist sofort, wie es sicher auch beabsichtigt ist, der Blickfang, weil sie sich in Form und Farbe deutlich vom Umfeld abhebt. Es scheint sogar, dass sie gemäß der Drittelregel, bzw. nach dem goldenen Schnitt positioniert ist. Wenn es so wäre, dann allerdings käme der Effekt der Positionierung nur eingeschränkt zum Tragen, weil der hellere Hintergrund an sich schon etwas ist, was man "Bild im Bild" nennen könnte. Und zu diesem "inneren" Bild stimmte diese regelkonforme Positionierung dann nicht mehr.
Mir scheint das Bild auch ein Beispiel dafür zu sein, dass diese Gestaltungsregeln niemals mit letzter Konsequenz und niemals gegen das eigene Gefühl angewendet werden sollten.
Doch solche Überlegungen scheinen gegenüber der Ruhe, welche das Bild ausstrahlt, ohnehin banal. Gratulation zu dem gelungenen Bild!

Gruß Werner

PS. Wenn die Büste tatsächlich Johannes Paul II. darstellt, so hat der zu seinen Lebzeiten doch genug Rampenlicht gehabt.

Einmal im Rampenlicht stehen

BeitragVerfasst: 12:43
von KurierderKönigin
Hallo Werner,

entschuldige bitte, daß ich mich erst jetzt melde. Danke für Deinen netten und ausführlichen Kommentar und Deine Gedanken zur Bildgestaltung. Als ich das Motiv sah, reizte mich zum einen der hell dunkel Kontrast und zum einen auch die Ruhe die vom Motiv und dem Kloster insgesamt ausgeht. Auf den goldenen Schnitt habe ich entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten nicht geachtet, da ich die Tür und den Türrahmen als erkennbaren Bildbestandteil realisieren wollte. Aber dennoch steht die Büste fast perfekt ausgerichtet nach dem goldenen Schnitt. Dies ist aber dem Zufall geschuldet. Da ich kein religiöser Mensch bin, habe ich auch keinen Gedanken daran verschwendet, wer denn abgebildet ist, das es ein Kirchenmann sein wird, war mir klar. Das Foto ist halt im Kloster entstanden. Gestaltungsregeln sollte man immer beachten und bedenken. Hin und wieder ist der Bruch der Regeln der bessere Weg, jedoch sehe ich dies bei max. 10% der Fotos so. Ich habe Dir ein Foto mit den Linien der Drittelregel angehangen, den Screenshot von dem goldenen Schnitt konnte ich nicht anhängen, da hier nicht alle Linien dargestellt wurden, warum auch immer.

Servus Rüdiger

NIK_4143_HDR_kleiner drittelregel.jpg





Einmal im Rampenlicht stehen

BeitragVerfasst: 02:56
von rider
Hallo Rüdiger,

ich wollte eigentlich anhand Deines Bildes aufzeigen, dass das Bild, trotzdem es keiner Gestaltungsregel genügt, ruhig, harmonisch und ausgewogen wirkt. Und das, so habe ich gemeint, komme deshalb zum Tragen, weil die Drittelregel (oder auch der goldene Schnitt) zwar möglicherweise eingehalten scheint, wenn man die Regel auf das gesamte Bild bezieht, nicht jedoch, wenn man sie nur auf den Innenteil bezieht. In diesem Fall müsse man jedoch (natürlich nur hinsichtlich einer regelkonformen Positionierung) den Teil des Bildes heranziehen, welcher durch die helle Fläche gegeben ist. Dass Du auch das Drumherum in die Gestaltung des Gesamtbildes miteinbezogen hast, war mir schon klar. Aber optisch wirksam im Sinne der Regel wird ein - im weitesten Sinne - punktförmiges Element im Verhältnis zu einer umgebenden Fläche. Und diese optisch wirksame Fläche wäre, meiner Meinung nach, die Innenfläche, die weitgehend durch den hellen Hintergrund gegeben ist. Ich habe sie in Deinem Bild durch den weißen Rahmen markiert. Die gelben Linien markieren die Drittelteilung. Und dabei zeigt sich etwas, was ich eigentlich nicht erwartet hätte, nämlich dass der Kopf in der Horizontalen wirklich perfekt und in der Vertikalen fast perfekt auch auf die Innenfläche bezogen regelkonform platziert ist.

nik.jpg






Damit habe ich also meine frühere Aussage, dass die regelkonforme Positionierung bezogen auf das "innere" Bild nicht mehr stimme, selbst ad absurdum geführt.

Gruß Werner

Einmal im Rampenlicht stehen

BeitragVerfasst: 11:54
von KurierderKönigin
Hallo Werner,

ein interessanter Gedanke, den goldenen Schnitt nicht auf das gesamte Bild anzuwenden, sondern nur auf einen bestimmten Teil. Hatte ich bislang nie in Erwägung gezogen. Weißt Du von Profis, die dies so anwenden bzw. hast Du Beispiele?

Servus Rüdiger

Einmal im Rampenlicht stehen

BeitragVerfasst: 19:40
von rider
Hallo Rüdiger,

tut mir Leid, ich habe keine Beispiele dafür. Die Situation ist wahrscheinlich auch zu speziell, um leicht ein ähnlich strukturiertes Bild zu finden. Mir hat sich dieses "innere Rechteck" als Bezugsfläche für die Positionierung des Kopfes spontan beim Betrachten des Bilds aufgedrängt. Ich meine, das ist auch richtig, wenn man die Regel nicht nach dem Wortlaut, sondern dem Sinn nach versteht. Natürlich nimmt man beim Betrachten ein Bild auch anders wahr als beim Fotografieren - und fremde Bilder erst recht anders als eigene.
Eine ausführlichere Diskussion über die strukturelle Gestaltung wäre sicher spannend, allerdings glaube ich, dass sie hier, im HDR-Forum, falsch am Platz ist. Ich werde Deine Frage jedoch im Hinterkopf behalten, vielleicht findet sich dann ja doch noch das eine oder andere Beispiel.

Gruß Werner

Einmal im Rampenlicht stehen

BeitragVerfasst: 19:23
von George
Hallo,

auch ich habe nur den hellen Bereich des Bildes als maßgeblich für die Drittelregel angesehen, insofern kam mir das Bild von vorneherein "harmonisch" vor.

Viele Grüße...Jörg