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Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 18:05
von sigi
Düne-4-ex.jpg






Die Namib ist die älteste Wüste der Erde.

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Die Dünen der Namib sollen mit 370 Metern die Höchsten der Welt sein.
Eine Sicheldüne zu erklimmen geht nur auf der Dünenkante. Auf der Leeseite ist der Sand zu weich. Auf der Luvseite ist praktisch kein Vorwärtskommen.

Hallo Ute,
sollte jemand denken, der kann viel erzählen. Hier ist der Beweis.
Es ist eine elende Schinderei. Drei Schritte vorwärts, einen zurück. Rückwärts geht von allein. Die Pumpe rast unter Volllast. Alle paar Minuten muss ich eine Pause machen, oder tot die Düne herunterfallen. Der Wind treibt den Sand mit großer Wucht die Luvseite rauf über den Kamm. Die Luft ist voll Sand. Die Kamera habe ich in einer Plastiktüte. Fotografieren von oben unmöglich.
Die jungen Leute geben schon im ersten Drittel auf. Sigi muss rauf. Du kannst alles, wenn du es nur wirklich willst - ist der Treibsatz.

Die Beine, sind sie noch da? Alles Gefühl verloren. Nicht nach unten schauen. Das Ziel ist oben. Nur Vorwärts.

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Dann endlich oben - der Schock. Da sitzen drei Personen, sind schon halb vom Treibsand bedeckt. Vor jedem Hindernis staut sich der Sand. Deckt alles zu. Das geht relativ schnell und du bist verschwunden.

Alte Leute. Eine Frau, zwei Männer. Rentner. Wie sind die rauf gekommen? Vielleicht hat ein Hubschrauber sie abgesetzt?
Nein, auf dem Kamm rauf sind Spuren. Oder sind letzte Woche, Tag für Tag ein Stück höher aufgestiegen? Scheinen Proviant dabei zu haben.
Ich spreche die nicht an. Vielleicht wollen die hier oben, Gott über 300 Meter näher, ihr Leben beeenden? Oder haben die was eingeworfen. Bewegen sich nicht.

Plötzlich kommst du dir vor wie ein Bergsteiger der den 8125 Meter hohen Nanga Parbat, ohne Sauerstoffgerät im Alleingang bezwungen hat - und oben sitzen Leute und begrüßen ihn mit einem fröhlichen Hallo.

Ich hatte dem Gesundheitsministerium einen Vorschlag unterbreitet, wie die Überalterung der Bevölkerung regulierbar ist. Ab 65 dürfen die Rentner, ab siebzig müssen sie bei rot die Strasse überqueren.
Eine Antwort habe ich nie erhalten. Sind wohl an der Lösung des Problems nicht interessiert.
Halt, das würde mich altersmäßig auch treffen - also schnell vergessen.

Zu den Aufnahmen:
Es ist bei Sonnenuntergang. Auch am Fuß der Düne ist der Wind sehr heftig und treibt den Sand gnadenlos. Eine scharfe Aufnahme zu machen ist fast unmöglich. Von oben geht ohnehin nichts.

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 18:25
von fotoliese
Hallo Sigi,
danke für den interessanten Bericht. Auf dem ersten Foto sieht man nicht, dass die Dünen so hoch sind. Der Blick auf das 2. Foto lässt den beschwerlichen Weg erahnen. Wie bist Du wieder runter gekommen? Du hattest sicher eine leichte Rotfärbung Deiner Haut und Sachen! klatschen_1

Schönen Gruß von
Regine

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 20:37
von blue-eye
Hallo Sigi,
eine unglaubliche Landschaft .. eine unglaubliche Begegnung der dritten Art..:-) und ein sagenhaft toller Bericht von dir,...einfach SUPER!

L.G. Kurt

ps. vom Rentner der noch "nicht" bei rot über die Ampel muss ...

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 20:40
von sigi
Hallo Regine,
es ist fast unmöglich die Höhe der Dünen darzustellen. Würde man eine Person zum Größenvergleich an den Fuß der Düne stellen dann ist die höchste Stelle immer noch weit weg, weil der Dünenkamm ansteigt. Es sind langgestreckte Sicheldünen. Da gibt es keine steile Wand. Der Größenvergleich würde nicht stimmen.

Runter geht auf der Leeseite sehr einfach man rutscht quasi, weil da die Düne am steilsten ist. Wieder unten kann man sich als "Sandmann" beim Fernsehen bewerben. Wäre dann ein "Roter Sandmann". Der Sand ist überall, in der Unterwäche, den Taschen. Die Schuhe sind ohnehin voll.


Gruß
Sigi

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 20:49
von Harmonie
Hallo Sigi,

absoluter Wahnsinn!
Das 1. Bild ist für mich das beeindruckenste obwohl die anderen natürlich die Dimension erst richtig zeigen.
Spitzen Bileder zeigst du hier.

Liebe Grüße
Christine

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 20:53
von Gismo**
Hallo Sigi,

sehr schöne Landschaftsaufnahme und toller Bericht. Muss man gesehen haben.

Gruß
Johann

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 01:13
von Ammerland
Diese Farben! Unglaublich, dass Sand so rot sein kann.

Gruß
Ute

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 18:31
von sigi
vlei-1200-ex.jpg





Hallo,
vielen Dank an alle für das Interesse. Schön wenn sich offensichtlich noch keine "Afrikamüdigkeit" eingestellt hat. Ich fotografiere zu 98 Prozent nur auf Reisen. Davon wieder zu ca. 90 Prozent in Afrika.
Ändert sich bestimmt, wenn ich ohne rauf getragen zu werden, keine Düne mehr schaffe.

Die Aufnahmen wurden bei Sonnenuntergang gemacht, das färbt den Sand zusätzlich rot. Die Namibsande haben sehr unterschiedliche Farben. Von fast weiß bis orangerot. Die orangerote Farbe entsteht durch das im Sand enthaltene Eisenoxyd. Wenn man die Namib von der Küste weiter landeinwärts betrachtet ändert sich die Farbe durch die Niederschläge. Obwohl es in der Namib sehr selten regnet, bewirkt der Küstennebel vielleicht 30 bis 50 Kilometer landeinwärts, dass im Laufe vieler Jahre das Eisenoxyyd ausgewaschen wird.
Das Foto oben zeigt zwar keinen Trockenfluss, sondern ein Vlei. Das sind Senken/Pfannen in denen sich bei starken Regenfällen Waser sammelt.

In der Kalahari Wüste gibt es ungewöhnliches, dort wo einmal, nach besonders starken Regenfällen Wasser floss, ist der Sand im trockenen Flußbett weiß. Das sieht ganz fantastisch aus. Die orangeroten Ufer und Dünen und der weiße Trockenfluss.
Es gibt noch mehr erstaunliches.
In der Kalahari Südafrikas gibt es eine große weiße Düne. Rundherum die orangeroten Kalaharidünen. Fast unglaublich, trotz des Windes vermischen sich die Sande nicht.

Gruß
Sigi

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 19:13
von gn#36
Naja Afrikamüdigkeit: Zumindest ich bin noch nie da gewesen, von daher sind in deinen Berichten immer Dinge zu sehen, die ich noch nicht gesehen habe. Und ein Persönlicher Bericht ist doch was anderes als wenn man irgend eine Dokumentation im Fernsehn sieht. Auch wenn ich nicht immer was dazu schreibe finde ich deine Berichte bisher eigentlich immer interessant.

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 21:10
von sigi
Hallo Martin,
vielen Dank.
Meine Ausführungen sind allgemein und richten sich nicht mittelbar an dich. Natürlich gibt es keine Verpflichtung Fotoberichte oder einzelne Fotos zu kommentieren.
Für den Autor ist feedback, sind Kommentare wichtig, sonst erfährt er nicht ob seine Themen Interesse finden und seine Fotos Zustimmung.

Bei Reise- und Erlebnisberichten ist die "Bildbesprechung" nicht erwünscht. Ich finde das in Ordnung. Hier geht es nicht um die fotografische Qualität der Fotos d.h. wie man es anders, besser machen könnte.
Nach meinem Verständnis ist ein "Reisefoto" ohne begleitenden Text relativ wenig. Text zum Foto sollte möglichst die W-Fragen, wann, wie, wo, beantworten um dem Informationsbedürfnis interessierter Menschen zu entsprechen.

Jeder Kommentar, egal ob kurz, sehr kurz oder lang ist Motivation für den Autor.
Gruß
Sigi

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 08:11
von gn#36
Gut, ich werde mich bemühen in Zukunft zumindest einen kurzen Kommentar abzugeben. Ich stimme dir auf jeden Fall zu: Ein Reisefoto muss erklärender Text begleiten.

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 17:06
von sigi
Hallo Martin,
ich hoffe nicht mißverstanden worden zu sein. Ob sich jemand in Form eines Kommentares äußert, oder nicht ist allein seine Sache. Es gibt keine Verpflichtung.

Ein Form lebt vom geben und nehmen. D.h. die Fotos anderer Mitglieder kommentieren, selbst Fotos einstellen und kommentieren lassen.
Jeder, aber auch wirklich jeder kann durch die Kommentierung seiner Fotos (Bildbesprechnung) sein fotografisches Tun überdenken, verbessern(?).

In diesem Sinne.
Gruß
Sigi

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 21:07
von nebels_hund_sky
Hallo Sigi,
sigi hat geschrieben:Du kannst alles, wenn du es nur wirklich willst - ist der Treibsatz.


"Der Wille versetzt Berge" und treibt den Menschen zu Höchstleistungen an, die er selber für sich oft niemals vorgestellt hätte.

Ein herzliches DA_123 für diesen Deinen wunderbaren Bericht aus der Namib-Wüste.
Herrlich und sehr beeindruckend Dein zweites Bild, wie Du Dir den Weg nach oben erkämpfst nach dem Motto:

"Gehe nicht dahin, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist und hinterlasse eine Spur." (Jean Paul)


Viele Grüße

Brigitte,
die diese Bilder schon sehr oft betrachtet hat, aber erst heute zum Antworten kommt!

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 15:41
von Rai_Wil
Hallo Sigi,

ich sage nur: Hut ab und wahnsinnig beeindruckend!

Viele Grüße,
Rainer

Re: Nach oben ist verdammt schwer

BeitragVerfasst: 11:45
von sigi
HJallo Brigitte,
über Deinen Kommentar freue ich mich besonders. In jedem Menschen steckt vielmehr, als er selbst für möglich hält.
Nelson Mandela hat einmal gesagt:
Furchtlos ist nicht wer keine Furcht hat,
sondern der, der seine Furcht bezwingt.
Der größte Politiker, Mensch unseres Jahrhunderts ist gestorben. Ihm ist von den Weißen unglaublich viel Unrecht geschehen. Ohne Mandela hätte Südafrika die gleiche Entwicklung genommen wie Zimbabwe.

Ich werde in Kürze noch ein paar Fotos aus der Namib Wüste einstellen.

Hallo Rainer,
schau mal hier:
http://www.privatsafaris.de/html/indien.html
wäre das etwas für dich?

Gruß
Sigi